AVS Scientific Panel - Regulierung / Entwicklung der Finanzmärkte | AVS Valuation

AVS Scientific Panel – Reicht die aktuelle Regulierung der Banken aus…

Seit Beginn der Finanzkrise im Herbst 2008 sind nun umfangreiche Schritte bei der Regulierung von Banken gesetzt worden. Und diese Regulierungen sind auch noch nicht abgeschlossen. Basel III sowie auch Regulierungen im Bereich MIFID II und EMIR beschäftigen die Banken weiterhin.

Aktuell errechnet gerade die Europäische Zentralbank (EZB) für mehr als 100 europäische Banken neue Mindestanforderungen für das Kernkapital. Dabei steht natürlich auch das jeweilige Geschäftsmodell der Banken auf dem Prüfstand. Institute, die über kein nachhaltiges Geschäftsmodell verfügen, werden in Zugzwang kommen.

Allgemein und einfach betrachtet haben die Banken unterschiedliche Möglichkeiten, die Anforderungen der Regulatoren zu erfüllen. Zusätzlich gibt es natürlich auch noch zeitlich limitiert unterstützende Maßnahmen der Zentralbanken.

  1. Kapitalerhöhungen
  2. Erwirtschaftung von Gewinnen
  3. Einbehaltung von Gewinnen
  4. Reduktion der risikogewichteten Aktiva durch unterschiedliche Transaktionen
    • Verkauf / Abbau von Risiken
    • Verbriefung von Risiken
    • Tausch von Risiken – z.B. durch Collatertal Transaktionen
    • etc…

Bei Kapitalerhöhungen verbunden mit der Erwirtschaftung von Gewinnen werden aber von den Aktionären und Kapitalgebern gewisse Mindestanforderungen an die Profitabilität erwartet. Dabei ist insbesondere bei staatsnahen Banken zu berücksichtigen, dass eine zukünftige Kapitalerhöhung nicht Beihilfencharakter aufweist.

…oder sollte auch der Finanzmarkt in Europa weiter entwickelt werden?

Neben der Regulierung der Banken ist es aber auch erforderlich, den Kapitalmarkt in Europa weiter zu entwickeln. Anders als in USA ist in Europa die Refinanzierung von Unternehmen weiterhin von den Banken abhängig. Zögerlich beginnen langfristige Investoren wie Versicherungen, Pensionsfonds oder andere langfristige Investoren in Kredite an Unternehmen, Infrastrukturkredite oder Immobilienkredite zu investieren. Zur Intensivierung dieser Aktivitäten sind diese Investoren gezwungen einerseits ihre Kenntnisse in diesen Instrumenten weiter auszubauen; andererseits sollten auch genügend Produkte zur Verfügung stehen. Die Grundlagen für diese Produkte liegen in den Basiswerten. Oder anders ausgedrückt, die Unternehmen, Immobilien- und Infrastrukturentwickler müssen genügend „Assets“direkt zur Verfügung stellen.

Alternative Refinanzierungsquellen zu den Banken sind damit zwingend erforderlich. Die Banken werden schon aus regulatorischen aber auch aus geschäftspolitischen Gründen diese Refinanzierungsfunktion nicht vollumfänglich erfüllen können. Damit sollte auch eine vorhandene Entflechtung der Bankenwelt mit der Welt der Versicherungen einhergehen, denn Versicherungen sind klassisch betrachtet eine wesentliche Refinanzierungsquelle für die Banken.  Es erfolgt damit auch eine bessere Verteilung der Risiken und das europäische Finanzsystem kann somit als Ganzes stabiler werden.

Sehen Sie dazu auch den Kommentar von Herrn Prof. Dr. Martin Hellmich. Herr Hellmich ist auch Vorsitzender des wissenschaftlichen Gremiums der AVS-Valuation GmbH.


Ein Beitrag der AVS-Valuation GmbH, Frankfurt am Main. Für Rückfragen stehen wir gerne unter clientsupport@avs-valuation.com zur Verfügung.

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